Feste Zons und Kloster Knechtsteden, zwei Highlights der Stadt Dormagen …

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Ein paar Fotos finden Sie hier, Diashow über die 3 senkrechten Punkte oben rechts …….

Feste Zons

Am 17.Juni 2018 führte der Kultur- und Bürgerverein Hattingen – Niederbonsfeld e.V. seinen diesjährigen Tagesausflug durch. Die 27 Teilnehmer trafen sich an einem schönen Morgen gegen 08:00 h am Winzermarkplatz, wo bald der Reisebus eines Unternehmens aus Mettmann eintraf. Die Abfahrt konnte allerdings erst verspätet stattfinden, weil ein Teilnehmer sich in der Zeit vertan hatte. Über die Autobahn wurde kurz nach 10:00 h das erste Ziel – Die Feste ZONS – erreicht. Am wuchtigen Rheintor erwartete uns der Stadtführer, Herr Krumbein, ein rüstiger 80jähriger, der uns bei einem Stadtrundgang mit seinen launigen Sprüchen die mittelalterliche Festungsstadt näherbrachte.

Zons ist erstmals urkundlich belegt über das sogenannte Testament des Bischofs Kunibert von Köln, das um die Mitte des 7. Jahrhunderts niedergeschrieben wurde, aber erst in einer Fassung des späten 11. Jahrhunderts überliefert ist. Schriftquellen belegen einen Fronhof des Kölner Erzbischofs in Zons mindestens seit dem Beginn des 12. Jahrhunderts.

Im Jahre 1372 verlegte der Kölner Erzbischof Friedrich III. den Rheinzoll von Neuss nach Zons. Zum Schutz der Zollstätte wurde ab 1373 mit dem Bau der Zollfeste Burg Friedestrom begonnen. Im Dezember des gleichen Jahres wurde Zons zur Stadt erhoben. Mit dem Bau der Zollfeste wurde gleichzeitig auch mit dem Bau einer Stadtbefestigung durch Mauern und Gräben begonnen.

Den Kern der Gesamtfestung bildete die stark umwehrte Burg Friedestrom, die der Sitz des bischöflichen Schultheißen war. Verwaltung und Sicherung des Zolls und die Verwaltung des neu geschaffenen Amtes Zons hatten ebenfalls ihren Sitz in der Burg. Der planmäßige Bau der Zollfestung mit Stadtmauer wurde wahrscheinlich im 15. Jahrhundert vollendet.

In den Jahren 1464, 1597 und 1620 ist die damalige Bebauung der Stadt aus vorwiegend Holzbauten bis auf 6 Gebäude jeweils vollständig abgebrannt. Nach dem letzten Stadtbrand beschloss der Rat der Stadt, nur noch Bauten aus Stein zuzulassen.

Die rechteckig bis trapezförmig angelegte Stadt umgibt eine bis zu 7 m hohe basaltverstärkte Mauer, die sich ca. 300 m in Nord-Süd-Richtung und 250 m in West-Ost-Richtung erstreckt. An den Eckpunkten befinden sich verschieden ausgeführte Türme: nordöstlich der rechteckige Rhein-, Zoll- oder Peters-Turm, nordwestlich der runde Krötschenturm, südwestlich der runde Mühlenturm (Umbau vom Wehr- zum Mühlenturm (Bärwindmühle) noch im Spätmittelalter), südöstlich der Schlossturm sowie innerstädtisch an der Burgmauer der runde Juddeturm (35 m hoch). Der Name Juddeturm geht wohl auf das Kölner Patriziergeschlecht Judde zurück. Zwei öffentliche Tore führten in die Stadt: im Norden das Rheintor, im Westen das Feldtor, das um 1833 und 1847 aus verkehrstechnischen Gründen (vollbeladene Heuwagen konnten das Tor nicht passieren) vollständig entfernt wurde Die kleine Stadt umfasste nur 124 Hausplätze. Erst 1423 wurde auf Anordnung von Erzbischof Dietrich II. eine kleine Taufkapelle in Zons errichtet. Der kurkölnische Rheinzollort Zons gilt als eine der besterhaltenen spätmittelalterlichen Stadtanlagen am Niederrhein. Bis 1794 gehörte das Amt Zons zu Kurköln. In ihrer langen Geschichte ist die Stadt zwar mehrfach belagert, aber nie eingenommen worden.

Die Zollerhebung durch Zons endete mit der Eingliederung linksrheinischer Gebiete in das französische Staatsgebiet durch Napoleon. Außerdem war durch die Versandung des direkt an Zons vorbeiführenden Rheinarms die Eintreibung des Zolls mit der Zeit stark beeinträchtigt worden, so dass die wirtschaftliche Bedeutung von Zons deutlich sank. Die sonst  im 19. Und 20. Jh. erfolgte starke Industriealisierung der Rheinschiene ließ Zons links liegen. Die Stadt versank in einen Dornröschenschlaf aus dem sie erst mit Einsetzen des Tourismus allmählich wieder erwachte. Heute ist Zons ein starker Touristenmagnet zwischen Köln und Düsseldorf.

Seitdem trug Zons auch wieder die Bezeichnung „Stadt“, wenn der Ort auch verwaltungsrechtlich im Kreis der Landgemeinden verblieb. Mit der Eingemeindung in die Stadt Dormagen, die am 1. Januar 1975 in Kraft trat, nannte sich Zons „Feste“, und seit 1992 trägt der Ort aufgrund der historischen Bedeutung wieder die Bezeichnung „Stadt“. Bereits 1972 wurde die gesamte Altstadt durch einen von Bund und Land geförderten Modellversuch durchgreifend saniert.

Am Ende der Führung lieferte der Führer die Teilnehmer im Restaurant Schloss-Destille an der nördlichen Stadtmauer ab, wo bereits im Saarwerdenkeller eine festliche Tafel für und gedeckt war. Das angebotene mehrgängige Menue war reichlich und schmackhaft, so dass alle nach fast 2 Stunden der Weg zum Bus fanden. Der brachte uns nach kurzer Fahrt in das westlich von Zons gelegene

 

Kloster Knechtsteden.

Dort erwartete uns bereits der Prior, Pater Reetz, zu einer vereinbarten Führung.

Die Klosteranlage liegt in einem großen Gelände, aus dem das Torhaus und die Klosterbasilika St. Andreas herausragen.

Veranlasst durch den Kölner Erzbischof Friedrich I. stiftete der Domdekan Hugo von Sponheim 1130 dem Prämonstratenser-Orden um seinen Gründer Norbert von Xanten den Fronhof Knechtsteden. Wenige Jahre später wurde mit dem Bau des Stiftes neben dem Fronhof begonnen. Die Basilika wurde in zwei Bauabschnitten zwischen 1138 und 1181 im romanischen Stil errichtet. Der zweite Bauabschnitt wurde maßgeblich durch Geldzuwendungen des Albert von Aachen gefördert. Er ist als Stifter unten auf dem Chorfresko in einer Prämonstratenserkutte abgebildet. Er wurde um 1164 hinter dem Altar bestattet. Durch kriegerische Auseinandersetzungen, wie die Schlacht von Worringen 1288 und die Neusser Fehde mit der Belagerung von Neuss durch den burgundischen Herzog Karl den Kühnen 1474, kam es zu Zerstörungen an den Gebäuden des Klosters und an der Basilika. Besonders die Ostapsis wurde so stark beschädigt, dass Abt Ludger sie 1477 in gotischem Stil erneuern ließ. Da das Kloster Anfang des 18. Jh. finanziell gut ausgestattet war, wurden in dieser Zeit die meisten Gebäude in barockem Stil neu errichtet, darunter 1723 das Torhaus.

Als Napoleon 1795 die linksrheinischen Gebiete besetzte und diese 1797 gesetzlich mit dem französischen Staatsgebiet verband, flohen die Mitglieder des Klosters Knechtsteden, und das Kloster wurde von den Bewohnern der umliegenden Orte geplündert. Durch den Reichs­deputationshauptschluss wurden nach dem Willen Napoleons alle geistlichen Reichsstände und damit auch die Klöster und Stifte aufgelöst. Auch das Kloster Knechtsteden fiel dieser Säkularisation zum Opfer und wechselte mehrmals den Besitzer. Schließlich erwarb die Kölner Armenverwaltung den gesamten Komplex, um dort eine Heilstätte für Nervenkranke einzurichten. Ein verheerender Brand vernichtete allerdings 1869 die gesamte Anlage. 1895 wurde die Ruine schließlich mit Hilfe des Kölner Erzbischofs Philipp Krementz und der Erlaubnis der preußischen Regierung und finanzieller Unterstützung durch den Afrikaverein von Pater Amandus Acker für den Orden der Spiritaner erworben. Nach der Basilika wurden auch die anderen Gebäude des Klosters bis 1908 wieder aufgebaut. 1896 errichtete Pater Acker dort eine Missionsschule, 1898 ein Brüdernoviziat und 1905 ein Priesterseminar.

In der nationalsozialistischen Diktatur wurde das Kloster 1941 beschlagnahmt und enteignet.

Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs wird das Kloster wieder durch Spiritaner genutzt.

Die Abtei liegt auf einer sanften Anhöhe neben der Senke eines ehemaligen Rheinarmes.

Die dreischiffige Gewölbebasilika hat im Osten ein Querschiff und einen achtseitigen Vierungsturm. Durch diese Betonung der Ostanlage ist von außen kaum zu ahnen, dass es sich um eine Doppelchoranlage handelt. Der Westbau ist nur durch eine Apsis hervorgehoben. Der Ostchor war den Mönchen vorbehalten, der Westchor diente der Pfarrgemeinde.

Der Westchor ist in seiner originalen Gestalt von 1150/60 erhalten. Die Malerei stammt auch aus dieser Zeit und macht die Kirche besonders wertvoll.

Im Apsisgewölbe ist Christus auf einem Fresko aus der Mitte des 12. Jahrhunderts als Pantokrator dargestellt. Pantokrator heißt eigentlich Allherrscher, gilt aber auch für den auferstandenen Christus (nach Offenbarung und besonders in der byzantinischen Kunst als allgemeine Darstellung des thronenden Christus. Umgeben ist Christus von den Symbolen der vier Evangelisten und dann links von Paulus als Lehrer der Völker und rechts von Petrus als Fürst der Apostel. In der unteren Zone stehen die zehn übrigen Apostel. 1951–52 wurde dieses Fresko restauriert. Berühmt sind in Knechtsteden die Kapitelle aus der Zeit um 1150.

Heute leben im Kloster ca. 20 Spiritaner, die allerdings die ursprünglich große Landwirtschaft des Klosters aufgegeben haben und heute das Hauptgebäude bewohnen. Sie nehmen seelsorgerliche Aufgaben in der Region wahr. Die Ausbildung von Missionaren findet in den Ausbildungs-Werkstätten der Kongregation auf internationaler Ebene statt. Die Missionare werden im Kloster in verschiedenen Handwerken bis zur Meisterreife ausgebildet, um in ihren Tätigkeitsfeldern, vornehmlich in Afrika, der einheimischen Bevölkerung auch praktische Hilfestellungen geben zu können. Die Lehrwerkstätten wurden Anfang des 20. Jh. eingerichtet und noch heute benutzt. Im Rahmen der Führung haben wir eine Schlosserwerkstatt und das historische Kraftwerk besichtigt.

In der Knechtstedener Basilika steht seit 2009 eine historische Orgel aus England. Sie wurde um 1850 von William Holt in Leeds, Yorkshire, im englisch-romantischen Stil erbaut und stand in einer Methodistenkirche in Tockwith. Nach Schließung dieser Kirche wurde die Orgel von der niederländischen Orgelbaufirma Feenstra restauriert und in Knechtsteden aufgebaut, wo sie ein elektronisches Instrument ersetzte. Die Orgel verfügt um 15 klingende Register, verteilt auf zwei Manuale und Pedal.

Der große Gutshof des Klosters wird heute nicht mehr vom Kloster bewirtschaftet. Die Ländereien sind verpachtet und auf dem Klostergelände wurde das Norbert-Gymnasium errichtet. Ein Teil der landwirtschaftlichen Gebäude wurden zu Veranstaltungsräumen umgebaut. So ist heute in dem ehemaligen Gebäude für den Mist ein schönes Lokal mit mehr als 50 Plätzen und großer Tanzfläche untergebracht, geeignet für Hochzeiten und Geburtstagsfeiern.

Der Klosterfriedhof mit angrenzendem Soldatenfriedhof war den Ordensbrüdern der Spiritaner vorbehalten. Auf ihm hat auch der ehemalige Pastor der Gemeinde St. Engelbert, Pastor Königsmann, seine letzte Ruhestätte gefunden.

Nach der Führung, während der den Teilnehmern auch die in der Sakristei aufbewahrten Mess­gewänder aus mehreren Jahrhunderten und ein Großteil der ehemaligen Bibliothek gezeigt wurden, konnte man in der großen Cafeteria bei einem Stück Kuchen und reichlich Kaffee pausieren bis dann um 17:00 h mit dem Bus die Heimreise angetreten wurde.

Etwas später als geplant kam die Reisegesellschaft wieder in Niederbonsfeld an und ein ereignisreicher Tag, der von den Teilnehmern allgemein gelobt wurde, ging damit zu Ende.

 

Claus Gareis
Die Texte wurden teilweise aus Wikipedia entnommen

 

 

 

 

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