Die Isenburg

Im Jahre 1193 n. Chr. wird Adolf von Altena, Hauptpropst in Köln, zum Erzbischof von Köln und somit auch zum Herzog von Westfalen gewählt. Zur Sicherung seines Machtbereiches läßt er, zusammen mit seinem älteren Bruder Graf Arnold von Altena, eine Burganlage auf dem Isenberg bei Hattingen bauen. Die strategisch-politische Bedeutung dieses Berges liegt in seiner Mittelpunktlage zwischen den den Hauptstädten des Erzbistums Kölns und des Herzogtums Westfalen. Ein weiterer Vorteil lag in seiner Position am Übergang des wirtschaftlich wichtigen Hilinciweges über die Ruhr, am Fuß des Isenberges. Die günstige Lage zu den Vogteien des Hauses Altena wird beim Bau der Isenburg ebenfalls eine Rolle gespielt haben.

Haus Custodis

Haus Custodis im 19. Jh. auf dem Ruinengelände der Isenburg erbaut

Mit Fertigstellung der Burg um 1200 n. Chr. setzt Erzbischof Adolf den ältesten Sohn seines Bruders, Everhard von Altena, als Burggraf ein. Nach dem Tod von Arnold und Everhard um 1209 übernimmt Friedrich von Altena, der zweite Sohn Arnolds, das väterliche Erbe.

Die Hochzeit mit Sophia von Limburg bindet ihn an die Familie Walrams III., des Grafen von Luxemburg, der gleichzeitig Markgraf von Arlon und ab 1221 Herzog von Limburg an der Maas ist.

Das Wappen der Isenberger

Das Wappen der Isenberger

Im Jahre 1216 wird Hauptpropst Engelbert von Berg zum Kölner Erzbischof gewählt.     Er belehnt Friedrich von Altena mit der Burg Isenberg, der sich seit 1217  „Graf von  Isenberg“ nennt.

Von 1218 an zeichnet sich ein Konflikt zwischen Erzbischof Engelbert von Köln und dem westdeutschen Adel, besonders dem Hause Limburg ab, welchem Friedrich von Isenberg durch seine Hochzeit verbunden ist.

In die gleiche Zeit fallen Bestrebungen der Kirche, adlige Vogteien zugunsten der Kirche zu enteignen. Papst Honorius III. ermächtigt die Kirchenfürsten, die Vogteien mit der Begründung zu anektieren, die adligen Vogtherren hätten ihre Rechte überschritten und kämen ihren Pflichten gegenüber der Kirche nicht nach. Diese Maßnahme bedeutet eine einschneidende Verschlechterung der wirtschaftlichen und politischen Position der betroffenen Adligen und wird als Angriff gegen geltendes Adelsrecht empfunden.

Die Übergabe des strategisch günstig gelegenen Reichsstifts „Hof Isenberg“ mit seinem umfangreichen Landbesitz, an Engelbert, auf der Adelstagung in Soest, am 2. – 7. November 1225, lehnt der Isenberger auch gegen Entschädigung ab.

Isenburg
Rekonstruktionsversuch der Burg Isenberg

Auf der Rückreise von Soest nach Köln versucht Friedrich von Isenberg mit seinem Gefolge den Erzbischof in Geiselhaft zu nehmen. Die Gefangennahme scheitert, der Erzbischof erliegt seinen Verletzungen.

Über Friedrich von Isenberg werden unter dramatischen Umständen Reichsacht und Kirchenbann verhängt. Er verliert sämtliche Vogteien und seinen gesamten persönlichen Besitz. Seine Burg wird noch im Winter 1225/26 unter dem neuen Erzbischof von Köln, Heinrich von Molenark, belagert und zerstört. Friedrich reist mit seinen Brüdern Dietrich und Engelbert, Bischöfe in Münster und Osnabrück, und dem isenbergischen Notarius mit den schriftlichen Unterlagen nach Rom zur Kurie und wird vom Kirchenbann freigesprochen.

Auf der Rückreise wird Friedrich unter Mißbrauch des Gastrechts bei Lüttich gefangengenommen und für 2.100 Mark Silber an die Kölner Kirche verkauft. Am 14. November 1226 wird er vor dem Severinstor durch das Rad hingerichtet.

oberburg

Sein Vetter Adolf, aus der jüngeren Linie Altena, hatte die Burg Mark bei Hamm zu seinem Wohnsitz erwählt und seinen Namen nach dieser Burg geändert. Ihm gelang es rechtzeitig die Partei zu wechseln und sich auf die Seite des Kölner Erzbischofs zu schlagen.

unterburg

Die Grafen von der Mark werden die Nutznießer der Auseinandersetzungen zwischen Erzbischof und westfälischem Adel. Sie übernehmen den größten Teil des isenbergischen Besitzes und verteidigen ihn erfolgreich im isenbergischen Erbfolgestreit, der durch den Vertrag von Essen am 1. Mai 1243 beendet wird. Dadurch wird die Grafschaft Mark zur größten weltlichen Landesherrschaft in Westfalen. In der Folgezeit greifen die Grafen von der Mark die antikölnische Politik der Isenberger wieder auf und stellen sich gegen den Erzbischof von Köln. Der offene Widerstand gegen die Großmachtpolitik der Kölner Kirche beginnt und wird erfolgreich mit der Schlacht bei Worringen 1288 beendet.


Ein Mord verändert die Geschichte

Quelle: WAZ  vom 07.10.2000

Im Jahre 1200 wurde die Isenburg erstmals urkundlich erwähnt. Zum 800-jährigen Bestehen gibt der „Verein zur Erhaltung der Isenburg“ jetzt eine historische Erzählung heraus.

Vor allem um den Konflikt zwischen dem Grafen Friedrich von Isenberg und dem Erzbischof Engelbert von Köln im 13. Jahrhundert kreist das Werk von Autor Dr. Wilhelm Mauren. Eher zufällig war Vereinsmitglied Eberhard Schulte bei seinen Nachforschungen über Friedrich von Isenberg auf das bislang unveröffentlichte Manuskript des 1997 verstorbenen Rechtsanwalts und Hobby-Historikers gestoßen.

„Er setzte sich mit den drei Töchtern des Arnsberger Autors in Verbindung, erhielt von dort das O.K. zur Veröffentlichung und übernahm auch gleich die Bearbeitung des Stoffes“, erzählt Jürgen Uphues, zweiter Vorsitzender des Vereins. Ein Jahr dauerten die Vorbereitungen, dann konnte das erste epische Buch, das der Verein jetzt herausgibt, in den Druck gehen.

„Sachkundig und erfahren im Umgang mit historischen Tatsachen ist es Mauren gelungen, die tragische Verflechtung der Schicksale dieser beiden verwandten Männer darzustellen“, meint Uphues. Der Konflikt endete bekanntermaßen am 7. November 1225 mit dem Tod des Erzbischofs im Hohlweg zu Gevelsberg. Geschildert wird das Geschehen aus der Sicht des Zeitzeugen, Diplomaten und Ritters Bernhard von Horstmar.

Doch nicht auf die unterschiedlichen Interessen der beiden Gegner lenkt Autor Mauren den Blick. „Er beleuchtet vielmehr auf unterhaltsame Weise die familien-, landes- und reichspolitischen Dimensionen, die die Auseinandersetzung schließlich erreichte“, weiß Jürgen Uphues. „Eine Auseinandersetzung, die in der Folge sogar Strukturveränderunen auslöste, die den Lauf der westfälischen Geschichte in neue Bahnen brachte.“

Die 90-seitige – mit vielen zusätzlichen Informationen angereicherte – Erzählung ist ab sofort beim „Verein zur Erhaltung der Isenburg“ (Tel: 02324 28516) und in allen Hattinger Buchhandlungen erhältlich. Sie ist zunächst in einer Auflage von 1000 Exemplaren erschienen und kostet 17.80 DM. hoy


Machtsymbol für den Erzbischof

Quelle:  WAZ vom 05.11.2000

Ein Mord wird ihr Schicksal

Hufe donnern auf den Waldboden. Scharniere knarren. Nur der Mond beleuchtet den Weg. Wie oft mag Adolf von Altena auf der von ihm errichteten Isenburg eingekehrt sein? Sechs Mal? Für den Kölner Erzbischof war sie vor allem eins: ein Machtsymbol. Vor 800 Jahren zogen die ersten Bewohner in die Isenburg ein.

„Im Jahre 1200 wurde sie als castrum Ysenberg erstmals urkundlich erwähnt“, berichtet Gerhard Schwätzer, erster Vorsitzender des „Vereins zur Erhaltung der Isenburg“. Stolz deutet der 68-Jährige auf ein gelbliches Schreiben: „Nur eine Kopie“, räumt er schmunzelnd ein. Das Original liege sicher verwahrt im Kölner Stadtarchiv.

Von Erzbischof Adolf selbst sei das in Latein verfasste Dokument besiegelt worden. „Er beurkundet darin den Leibzuchtbrief seines älteren Bruders, des Grafen Arnold von Altena, mit dem der seiner Frau Mathilde ein erbliches Nutzungsrecht seiner Güter sicherte“, erläutert Schwätzer. Unten, am Rande des Schreibens, das Datum: nur „anno domini 1200“, kein Tag, kein Monat.

„Mit diesem Schreiben ist klar, dass die Burg 1200 nicht nur bereits fertiggestellt, sondern auch schon bewohnt war“, erklärt Jürgen Uphues, zweiter Vorsitzender des Vereins. Die Jahreszahl bleibe der einzige Anhaltspunkt, der auf die Entstehungszeit der Burg schließen lasse. Alles andere ist Spekulation – wohlbegründete allerdings. Demnach müsste die Burg zwischen den Jahren 1193 und 1199 erbaut worden sein.

1193, weil Adolf von Altena – bislang Hauptpropst in Köln – in diesem Jahr zum Erzbischof und damit zugleich auch zum Herzog von Westfalen gewählt wurde. „Als Reichsfürst war Adolf von Altena jetzt sogar an der Wahl des deutschen Königs beteiligt“, sagt Jürgen Uphues. Doch was sollte den Kölner nun dazu veranlasst haben, ausgerechnet auf dem weit entfernten und spärlich besiedelten Burglehen der Abtei Werden diese imposante Residenz zu errichten?

„Die Isenburg ließ der Erzbischof ausschließlich zur Sicherung seines Machtbereiches bauen“, klärt Gerhard Schwätzer auf und ergänzt: „Die strategisch-politische Bedeutung dieses Berges liegt in seiner Lage zwischen der Hauptstadt des Erzbistums Köln und der Hauptstadt des Herzogtums Westfalen, Soest.“ Eine große Rolle dürfte außerdem der Übergang der mittelalterlichen Handelsstraße „Hilinciweg“ über die Ruhr gespielt haben, der sich am Fuße des Isenberges befand.

„Als die Burg um 1200 fertiggestellt war, setzte der Erzbischof den ersten Sohn seines älteren Bruders Arnold, Everhard von Altena, als Burggraf ein. Damit übte Everhard in Hattingen auch die Gerichtsbarkeit aus.“

Eine Stadt Hattingen allerdings existierte bis dahin noch nicht. Nur ein paar Gehöfte gab´s, unter anderem dort, wo sich heute die Straße Auf dem Nocken befindet. Die Stadt, ein Kosmos für sich – das war die Burg selbst. „100 bis 120 Menschen lebten auf der Isenburg“, schätzt Bernd Schuster, Geschäftsführer des „Vereins zur Erhaltung der Isenburg“. Aus Ober- und Unterburg bestand die Anlage, die eine Gesamtlänge von 240 Metern aufwies. 557 Meter verschlang die Ringmauer. Zum Vergleich: die Länge der Hattinger Stadtmauer betrug rund 960 Meter.Keine Zugbrücke, kein Graben schützte die Burg. „Sie war eben als Residenz, nicht als Wehranlage gedacht“, so Bernd Schuster. Die Menschen, die dort lebten, versorgten sich selbst. Vor allem Handwerker waren das. Aber auch Vasallen aus dem niederen Adel, die dem Burggrafen zum Dienst verpflichtet waren. „Der niedere Adel übernahm meist die Verwaltung, trieb von den Bauern den Zehnten ein, erledigte die Schreibarbeiten“, sagt Uphues.Eine Überlaufquelle diente zur Wasserversorgung. Viehställe gab es, einen Ofen zur Verhüttung von Eisen, einen Kalkbrenner, einen Wohnturm, ein Zeughaus mit Vordach, unter dem die Endbearbeitung der Schmiedeprodukte erfolgte. Zehn Toilettenanlagen an den Außenmauern verhinderten, dass die Burg innerhalb weniger Jahre unbewohnbar wurde. Im westlichen Palasbereich residierte der Burgherr mit seiner Familie. Hier weilte auch Erzbischof Adolf, wenn er der Isenburg einen seiner seltenen Besuche abstattete.“Nach dem Tod Everhards um 1209 übernahm dessen jüngerer Bruder, Friedrich von Altena, das Erbe“, berichtet Gerhard Schwätzer. 1216 wird Hauptpropst Engelbert von Berg zum Kölner Erzbischof gewählt. Er belehnt seinen Großcousin Friedrich von Altena mit der Burg Isenberg, der sich seit 1217 „Graf von Isenberg“ nennt.“Zum Bündnis des westdeutschen Hochadels gegen Engelbert kommt es, als der Erzbischof versucht, Friedrich von Isenberg die Vogteirechte über das Reichsstift Essen zu entziehen“, erzählt Gerhard Schwätzer. Engelbert wäre damit in der Lage gewesen, Köln und Westfalen zu einem Zentralstaat zu verbinden. Doch eine Übergabe lehnte der Isenberger auf der Adelstagung in Soest, 2. bis 7. November 1225, ab. Auf der Rückreise versuchte Friedrich den Erzbischof in Geiselhaft zu nehmen. Doch das misslang, der Erzbischof erlag seinen Verletzungen. Über Friedrich von Isenberg wurden Reichsacht und Kirchenbann verhängt. Seine Burg wird im Winter 1225/26 unter dem neuen Erzbischof von Köln, Heinrich von Molenark, zerstört.Lange geriet die Burgruine in Vergessenheit. Erst als sich die von Dr. Heinrich Eversberg, Kreisheimatpfleger und Lehrer am Gymnasium Waldstraße, gegründete „Buddel-AG“ ans Werk machte, kam wieder Licht ins Dunkel der Vergangenheit. 1970 begann die Schüler-Gruppe mit den Ausgrabungen auf dem Isenberg, entdeckte Reste des Bergfrieds, der Kapelle, des Wohnturms. „Seit 1980 führt der Verein zur Erhaltung der Isenburg die Ausgrabungs- und Restaurierungsarbeiten weiter“, sagt Uphues.Rund 50 Mitglieder zählt der Verein heute. „Wir halten die Wildnis im Rahmen“, erklärt Uphues. Im Wechsel werde Rasen gemäht, Laub gefegt, das Mauerwerk saniert. Eine Ausstellung im Erdgeschoss von Haus Custodis, das 1855 von Hofbaumeister Josef Custodis auf der Ruine errichtet wurde, soll die Geschichte von Burg und Berg darstellen.“Rund 30 000 Gäste besuchen die Isenburg durchschnittlich pro Jahr allein an den Wochenenden“, erzählt Uphues, der heute mit seiner Familie als „neuer Burgherr“ im Haus Custodis wohnt. Einmal im Monat übernimmt auch der Denkmalpfleger der Stadt für seinen Verein „den Museumsdienst“. Die Isenburg ist tagsüber ganzjährig öffentlich zugänglich. Museum, Wechselausstellung und Cafeteria sind nur sonn- und feiertags geöffnet: Von April bis Oktober von 15 bis 17 Uhr, von November bis März von 14 bis 16 Uhr.

Barbara Hoynacki