Weinreise an die Ahr 2015

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Die Sonne war gerade über den Hügeln des Ruhrtales erschienen,

Winzermarkplatz 10.2015als 21 Teilnehmer, frohgelaunt die steilen Treppen des Busses der Firma Job-Tours erklommen.

Bus von JOOB-ToursZwei Teilnehmer mussten leider kurzfristig aus gesundheitlichen Gründen auf die Fahrt verzichten. Unser erstes Ziel war Bonn, das wir trotz Stauwarnungen rund um das Leverkusener Kreuz pünktlich erreichten. Im Bistro des Museums König,

Bonn, Museum Königdas am Rande des ehemaligen Regierungsviertels liegt, war ein reichhaltiges zweites Frühstück für uns vorbereitet, dem auch tüchtig zugesprochen wurde.Um 11.00h wurden die Reisenden dort von einer Stadtführerin zu einem Rundgang durch das Regierungsviertel abgeholt. Zunächst erläuterte sie die Bedeutung des Museum König für den Anfang der Eigenständigkeit der Bundesrepublik Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg. Gegenüber dem Museum liegen entlang der Adenauerallee in einem weitläufigen, der Öffentlichkeit nicht zugänglichen etwa 10 ha großen Landschaftspark die Villa Hammerschmidt (ehemaliger 1. und heute 2. Amtssitz des Bundespräsidenten), das Palais Schaumburg (Ehemaliger Amtssitz des Bundeskanzlers) und das neue Bundeskanzleramt (heute Dienstsitz verschiedener Abteilungen des Bundeskanzleramtes). Leider sind inzwischen die Bäume des Parks so gewachsen, dass die Gebäude kaum noch zu sehen sind. Das gilt im Übrigen auch für den Blick von der Rheinseite aus. So konnten die Schaulustigen nur als Zaungäste

Bonn, Zaungäste villa Hammerschmidtan den zwei Zufahrten die Schautafeln bewundern. Rund um die ehemalige Pädagogische Akademie, aus der das Bundeshaus mit Plenarsaal des Bundestages hervorging, ist auf Grund der Planungen vor der deutschen Einheit und dem Beschluss nach der Wiedervereinigung zur Vollendung der Planungen ein großer Kongressbereich mit Hotel und Versammlungsräumen entstanden. Der „Lange Eugen“, das ehemalige Abgeordneten-Hochhaus, ist derzeit Sitz mehrerer UNO-Sekretariate.

Die Weiterfahrt nach Bad Neuenahr-Ahrweiler verlief gemütlich über Bad Godesberg und Remagen durch das untere Ahrtal. Das Dorint-Hotel, am Kurpark gelegen,

Bad Neuenahr, Dorint Hotelwar schnell gefunden, aber mit dem Bus schwer anzufahren, so dass ein kurzer Fußmarsch mit den Koffern unternommen werden musste. Nach dem Bezug der Zimmer konnte auf der Terrasse ein kleiner Imbiss eingenommen werden, bevor uns eine Stadtführerin in Empfang nahm. Sie führte die Gesellschaft durch den Dahliengarten

Bad Neuenahr, Dahliengartenund, entlang der gebändigten Ahr, durch den Kurgarten, dessen Entstehung und verschiedene herausragende Gehölze erläutertBad Neuenahr, Teilnehmerwurden. Nach der Besichtigung der Trinkhalle wurde das Kurhaus

Bad Neuenahr Kurhausgewürdigt, wobei nur ein Paar Teilnehmer wegen einer Theaterprobe den prächtigen Kursaal bestaunen konnten. Das Casino durfte natürlich auch nicht fehlen. Bad Neuenahr entstand als Neuenahr aus den Weilern Wadenheim (1. Erwähnung 992), Hemessen (1. Erwähnung 1106) und Beul (1. Erwähnung 1374) sowie der Errichtung der Burg Neuenahr. Im Mittelalter wechselte der Ort mehrfach den Besitzer. Nach dem Wiener Kongress gehörte Ahrweiler zum Königreich Preußen. 1816 wurden der Kreis Ahrweiler gebildet und 1852 die Apollinaris-Quellen entdeckt. Den Namen „Neuenahr“ erhielt der Ort 1857, nachdem kurz zuvor das Heilbad eröffnet worden war. Das Prädikat „Bad“ wurde 1927 verliehen aber auf die Stadtrechte musste noch bis 1951 gewartet werden. Im Rahmen der Gebietsreform wurden 1969 Bad Neuenahr und Ahrweiler sowie verschiedene umliegende Gemeinden zu Bad Neuenahr-Ahrweiler vereinigt. Dem Stadtteil Neuenahr merkt man immer noch an, dass er vor dem ersten Weltkrieg von Mitgliedern des Hochadels und vermögenden Bürgern gerne besucht wurde. Nach der Rückkehr ins Hotel traf man sich im Restaurant, wo in gemütlicher Runde

Bad Neuenahr, in froher Rundedas Abendessen verzehrt und über die Erlebnisse des Tages

Bad Neuenahr, in froher Rundegeplaudert wurde.

Nach dem ausgiebigen Frühstück im Hotel erwartete uns um 10.00h eine Stadtführerin an der Tourist Information im Ortsteil Ahrweiler. Sie führte uns durch den mittelalterlichen Teil vom Ahrtor

Ahrweiler, Ahrtorüber das Niedertor zum Obertor. Ab dem Jahr 893 wurde Ahrweiler im Prümer Urbar, dem Güterverzeichnis der Benediktinerabtei Prüm, als Arwilre, Arewilre, Arewilere und später Arweiller geführt. Danach besaß die Abtei Prüm in Ahrweiler einen Herren-hof mit 24 Hofstellen, 50 Morgen Ackerland und 76 Morgen Weinberge. Die erste urkundliche Erwähnung einer Pfarrkirche in Ahrweiler stammt aus dem Jahr 1204, doch erst im Jahr 1269 wurde mit dem Bau der St. Laurentius-Pfarrkirche begonnen. Sie ist die älteste gotische Hallenkirche des Rheinlandes.

Ahrweiler,St. LaurentiusNach aufwendiger Restaurierung in den letzten Jahrzehnten erstrahlt sie heute in neuem Glanz. Die Ortschaft wurde 1246 an das Erzbistum Köln verschenkt. Im August 1248 erfolgte die Bestätigung der Stadtrechte Ahrweilers durch Erzbischof Konrad I. Das Stadtsiegel erhielt der Ort erst 1320. Die von 1250 bis 1260 erbaute Stadtbefestigung umschließt noch immer die Altstadt mit ihren zahlreichen hübsch restaurierten Fachwerkhäusern.

Ahrweiler, Fachwerkhaus am Kanonenwall

Ahrweiler, NiederhutklauseAuch in Ahrweiler gab es Hexenverfolgungen. Von 1501 an wurden mindestens 26 Personen auf Honenstein hinter dem Kalvarienberg auf dem Scheiterhaufen hingerichtet. 1629 erreichte die Hexenverfolgung mit der Verbrennung der Frau des Bürgermeisters Stapelberg ihren Höhepunkt. 1803 folgte wegen der Säkularisierung durch Napoleon das Ende der tausendjährigen Herrschaft des Klosters Prüm in Ahrweiler. 1815 wurde die preußische Rheinprovinz gegründet, seit dem besteht der Kreis Ahrweiler. Das Ahrtor wurde nach seiner Zerstörung im zweiten Weltkrieg durch Spenden der Bürger wiederaufgebaut und durch eine Nachbildung des Wehrganges ergänzt. Die Führerin sprach am Weißen Turm

Ahrweiler, Teilnehmerauch viele Bräuche an, die sich seit dem Mittelalter erhalten haben. Um 1350 wurden erstmals die innerstädtischen Viertel Oberhut, Adenbachhut, Niederhut und Ahrhut genannt. Das Mittagessen fand in kleineren Gruppen in mehreren der hübschen Gaststätten statt.

Wenige 100 m vom Stadtzentrum entfernt befindet sich das AhrWeinForum, ein kleines Museum über den Weinbau im Ahrtal. Dort und bei der Weinprobe in der Weinmanufaktur Walporzheim erfuhren die Teilnehmer, dass das Ahrtal das zweitkleinste zusammenhängende Weinanbaugebiet

Ahrweiler, Weinlagenkartein Deutschland ist. Auf insgesamt 548 ha Rebfläche (2006) werden 87,5 % Rotwein- und 12,5 % Weißweinreben angebaut. Die Weinberge liegen auf den sonnenreichen Nordhängen des Ahrtals auf, Jahrhunderte alten terrassierten Steillagen, die maschinelle Bearbeitung nicht zulassen. Angebaut werden zu fast 62% Spätburgunder Rotwein, fast 8% Riesling (Weißwein), fast 8% Portugieser Rotwein und in die restlichen 22% teilen sich 6 weitere Rotwein- und 4 Weißweinsorten. Heute bewirtschaften nur noch weniger als 65 Betriebe im Haupterwerb und 60% der Winzer im Nebenerwerb die Rebflächen, wobei mehr als 1.000 Stunden Arbeitszeit pro Jahr und Hektar keine Seltenheit sind. Überwiegend sind die Winzer in Winzergenossenschaften zusammengeschlossen. Die erzeugten Weine haben heute eine hohe bis sehr hohe Qualität und sind entsprechend teuer. Die Führerin im Weinforum und der Präsentator unserer 6stöckigen Weinprobe

Ahrweiler, Weinprobe

Ahrweiler, Weinprobe 3mit Imbiss erzählten noch viele weitere Einzelheiten, die hier leider nicht widergegeben werden können. Da die Führung mehr als eineinhalb und die Weinprobe länger als 2 Stunden dauerte, kann man sich vorstellen, wie informativ die Veranstaltungen waren. Kurz nach 22.00h verließen wir die Weinmanufaktur mit ausreichender Bettschwere.

Am Sonntagmorgen war wieder Kofferverladen angesagt. Danach erreichten die Reisenden pünktlich die Römervilla in Ahrweiler

Ahrweiler, Modell der RömervillaDabei handelt es sich um die zwischen 1980 und 1991 ausgegrabenen Reste eines römischen Herrenhauses aus dem 1. Jh. nach Chr. Entdeckt wurde die Villa bei Bauarbeiten für die Umgehungsstraße von Ahrweiler. Den Fun-den zufolge handelt es sich um das 1.000 m² große Herrenhaus eines römischen Gutshofes,

Ahrweiler, Römervilla, Rastdessen Ruinen im 5. Jh. durch einen Erdrutsch vollständig verschüttet wurden. Auf dem Erdhügel wurde im 7. und 8. Jh. ein frühchristliches Gräberfeld angelegt. So blieben die Überreste aus der Römerzeitüber die Jahrhunderte unangetastet. Die Ausgrabungen liegen heute unter dem Dach einer Halle geschützt und sind in ein Museum integriert. Zwei Führerinnen begleiteten die Teilnehmer

Ahrweiler, Römervilla, Vierungdurch die 2stündige Besichtigungstour, die alle als sehr interessant und lehrreich beurteilten.

Ahrweiler, Römervilla, Übersicht

Wenn man sich vorstellt, dass im 1. Jh. weder Ahrweiler noch Bad Neuenahr und weitere Stadtteile bestanden, dann lag die Villa am oberen Ende eines sich auf 300m verbreiternden Talkessels der Ahr, der von den umliegenden Bergen geschützt wurde und fruchtbaren Ackerboden aufwies. Ahrabwärts zog sich das Gelände mehrere Kilometer hin und bildete so die hervorragenden Bedingungen für einen großen landwirtschaftlichen Betrieb. Seine Produkte konnte der Landwirt gut in den Militärlagern im Kölner Raum absetzten und kam so zu beträchtlichem Wohlstand. Hinzu kam, dass in den Wäldern in der Nähe der Villa Eisenerze gefunden wurden, die verhüttet werden konnten. Entsprechende Einrichtungen befanden sich in der Villa. Erst in der römischen Reichskriese im 3. und 4. Jh. kam es auch im Mündungsgebiet der Ahr zu revolutionären Auseinandersetzungen zwischen Römern und germanischen Stämmen in deren Verlauf die Villa durch Brand zerstört wurde.

In Abänderung des Programms, das noch einen Besuch in der Barbarossa-Stadt Sinzig vorsah, beförderte uns der Busfahrer über die Rheinfähre nach Linz. Dort gestattete uns ein mehr als 3stündiger Aufenthalt eine ausgiebige Besichtigung der Altstadt und das Mittagessen. Die bunte Stadt erkundet man am besten vom Marktplatz

Linz, Figuren am Marktbrunnen

Linz, Marienaltar

aus, an dem das im 16. Jh. erbaute Rathaus steht. Die Pfarrkirche St. Martin wurde zu Beginn des 13. Jh. errichtet und vereinigt spätromanische, früh- und spätgotische Stilelemente. Das Neutor,

Linz, Neutor

das 1391 erstmals erwähnt wurde, schließt die Altstadt im Nordosten ab. Von dort aus erreicht man durch die Neustraße mit zahlreichen Fachwerkshäusern den Buttermarkt. Auf diesem Platz boten die Bäuerinnen der Umgebung von 1640 bis in die 1930er Jahre ihre Erzeugnisse feil. Der moderne Brunnen setzt dieser Tradition ein Denkmal. Durch die Mittel- und die Rheinstraße gelangt man zum Burgplatz mit den Resten der Zoll und Zwingburg

Linz, Burg Linzder Kölner Erzbischöfe und Kurfürsten. Am Westende des Platzes steht das Rheintor, an dem zahlreiche Hochwassermar-ken angebracht sind. Durch das Tor erreicht man die Anleger der Fähre und der Personen-schiffe. Dort traf man sich gegen 16.30h. Auf einem komfortablen Schiff der Köln-Düsseldorfer, der RheinFantasieRheinFantasieerlebten wir das Siebengebirge mit den Resten der Brücke von Remagen,

Remagen, Reste der Brückeden Hotelbauten von Unkel

Unkelund Königswinter sowie den Villen von Bad Godesberg. Über allem thronten der Drachenfels, der fast über die gesamte Strecke zu sehen war, das neurotische, renovierte Schloss Drachenburg und der Petersberg,Petersbergauf dem sich das ehemalige Gästehaus der Bundesregierung befindet. Im Bereich des ehemaligen Regierungsviertels konnte man noch einen Blick auf die Villa HammerschmidtBonn, Villa Hammerschmidterhaschen bevor die Fahrt an der Station Bonn Alter Zoll zu Ende ging.

Bonn, Blick auf das SiebengebirgeDort wartete der Bus auf die Teilnehmer. Er brachte uns in zügiger Fahrt zurück an den Winzermarkplatz, den wir pünktlich um 20.00h erreichten. Mit einem fröhlichen „Bis zum nächsten Mal“ verabschiedete man sich voneinander und war kurz darauf wieder am zu Hause.

Claus Gareis, im Oktober 2015.