Weinreise 2013 in den Rheingau

Der Ortsteil war noch in dichtem Nebel verpackt als sich am 27.September 2013 morgens kurz vor 8 Uhr 34 Mitglieder und Freunde des Kultur- und Bürgervereins Niederbonsfeld am Winzermarkplatz zur Weinreise in den Rheingau zusammenfanden. Mit einem Bus der Firma Klingenfuss Bustouristik fuhr man frohgelaunt in den Süden, denn schon bei Velbert ließ sich die Sonne blicken und blieb über das ganze Wochenende unser Begleiter. Nach zügiger Fahrt erreichten wir unser erstes Ziel, den Marktplatz von Wiesbaden. Der Rundgang war durch die Vorbereitungen zu einem Stadtfest etwas beeinträchtigt, so dass man zunächst das Mittagsmahl einnahm. Am vereinbarten Treffpunkt wartete bereits ein Zug der THermine zu einer Stadtrundfahrt. Sie führte zum Staatstheater und Kurhaus, dann durch den Kurpark und vorbei an Villen des Hochadels an den Hängen des Neroberges zur Russisch – Orthodoxen Grabeskirche der Fürstin Elisabeth Michailowna, der im Kindbett verstorben Gattin des Herzogs Adolf von Nassau. Im 19. Jh. war Wiesbaden Weltkurstadt in der der gesamte europäische Hochadel z.T. mehrmonatige Aufenthalte verbrachte und dafür palastartige Villen errichten ließ. An der Talstation der Nerobergbahn endete die Fahrt mit der THermine. Unser Bus hatte dort einen Parkplatz gefunden, so dass wir ohne große Verzögerung unsere Reise fortsetzen konnten.

Vom Zentrum Wiesbadens ist man in wenigen Minuten am Rhein bei Eltville und erreicht über die gut ausgebaute B 42 Rüdesheim. Ein Teil der Reiseteilnehmer benutzte von dort die Seilbahn, um zum Niederwalddenkmal zu gelangen. Die Fahrt führt über die nördlich von Rüdesheim gelegenen Rebflächen und bietet einen wundervollen Ausblick über das Rheintal und den Rheingau. Das Denkmal selbst ist in den vergangenen 10 Jahren restauriert worden und ist den Besuch wert.

In unserer Unterkunft, dem Jagdhotel Niederwald, das nur wenige hundert Meter vom Niederwalddenkmal entfernt liegt, kamen wir gegen 17.00 h an. Die Verteilung der Zimmer war bereits organisiert und klappte gut. Bis 19.00h gab es genügend freie Zeit, um die Zimmer zu beziehen, die Koffer auszupacken und die Umgebung des Hotels zu erkunden. Das Arrangement mit dem Hotel enthielt einen Begrüßungstrunk (Rieslingsekt aus dem Rheingau) und ein Menu. Beides wurde uns in einem Saal mit herrlicher Aussicht auf die Ausläufer des Taunus serviert. Mit einem gemütlichen Beisammensein beendeten die Teilnehmer den Tag.

Leichte Nebel lagen noch in den Tälern des Taunus, als die Reisegesellschaft das Frühstück einnahm. Pünktlich um 09.00 h startete der Bus zum Kloster Eberbach, das in einem einsamen Tal nördlich von Eltville liegt. Der Busfahrer bekam die Tücken seines Navigationsgerätes zu spüren. Zweimal musste die Zufahrt zum Kloster abgebrochen werden, weil sich die Durchfahrten unter der Eisenbahn für den Bus als zu niedrig erwiesen. Dennoch konnten die Teilnehmer rechtzeitig die Klosterpforte erreichen. Zwei Führerinnen nahmen die Gesellschaft in Empfang und, nachdem die Formalien erledigt waren und die Aufteilung in zwei Gruppen vollzogen war, begann das Eintauchen in die Zeiten des Mittelalters. 1136 gründeten ein Abt und 12 Mönche aus Clairveaux im engen Kisselbachtal nördlich von Alta Villa, dem heutigen Eltville das Zisterzienserkloster. Es gewann schnell sowohl in theologischer als auch in wirtschaftlicher Hinsicht an Bedeutung. Die aus dem 12. Und 13. Jh. stammende romanische und frühgotische Bausubstanz konnte trotz mehrfacher Plünderungen bis heute weitgehend erhalten werden. 1803 wurde das Kloster im Rahmen der Säkularisierung aufgelöst, seine Besitzungen fielen an das Fürstentum Nassau-Usingen. Seit 1998 ist das Kloster eine gemeinnützige Stiftung, die den Auftrag hat, die einmalige Anlage dauerhaft zu erhalten. Seine Räumlichkeiten dienten verschiedenen Regisseuren mittelalterlicher Filme als Kulisse. Der bekannte Film „im Namen der Rose“ wurde hier in großen Teilen gedreht. Darauf wiesen unsere Führerinnen in den verschiedenen Räumlichkeiten immer wieder hin. Die romanische Basilika wurde 1140 begonnen und konnte bereits 1178 geweiht werden. Der Weinbau in der Region ist durch die klaren Vorgaben des Klosters bis in die heutige Zeit stark beeinflusst worden. Nach einer Stunde war die Führung zu Ende und wir fuhren zurück nach Eltville.

Weil der Bus wegen Baustellen, Umleitungen und die engen Gassen der Altstadt nicht auf Anhieb den vorgesehenen Parkplatz erreichen konnte, musste die Reisegesellschaft einen Fußmarsch zum Treffpunkt mit den Führerinnen auf sich nehmen. Man traf sich in der Nähe der Burg und wurde wieder in zwei Gruppen durch die Stadt geführt. Von den Zerstörungen des zweiten Weltkrieges blieb die Stadt weitgehend verschont, so dass ein Großteil der Häuser im Innenstadtbereich mehrere hundert Jahre alt sind. Besondere Aufmerksamkeit fand der Rosengarten in der Nähe der Burg. Durch ein kleines Tor erreicht man von dort die Rheinpromenade mit Hotelbauten aus der Gründerzeit und Adelshäusern. Die Führung endete am Marktplatz nachdem die Stadtkirche besichtigt worden war. Im Eingangsbereich dieser Kirche ist ein Wandfresko in der original Farbgebung aus dem 12. Jh. erhalten. Die Zeit (1347 bis 1480), in der Eltville Residenz der Mainzer Erzbischhöfe war, ist an vielen Einzelheiten in der Altstadt noch zu erkennen. Das Mittagessen fand in einzelnen Grüppchen in verschiedenen Gasthäusern statt. Um 15.00 h fanden sich alle zur Weiterfahrt nach Johannisberg am Bus ein.

Johannisberg ist eine Schlossanlage oberhalb von Geisenheim. Das Anwesen mit den zugehörigen Weinbergen hatte der Fürst von Metternich im Anschluss an den Wiener Kongress vom Kaiser als Dank für seine Dienste bei der Rekonstituierung der Fürstentümer nach der napoleonischen Zeit als Geschenk erhalten. 2006 verstarb die letzte Fürstin zu Metternich ohne Nachkommen. Heute wird der Besitz durch eine Stiftung erhalten, deren Haupteinnahmequelle der Weinanbau (vorwiegend Riesling) rund um das Anwesen ist. Ursprünglich war an dieser Stelle ein Kloster gestanden, dessen Kirche heute noch als Pfarrkirche genutzt wird. Eine Zeitlang gehörte Johannisberg zur Fürstabtei Fulda, dessen Abt die Erlaubnis zum Beginn der Weinlese geben musste. Weil der Bote, der das Erlaubnisschreiben von Fulda an den Rhein zu bringen hatte, aufgehalten wurde, konnte 1755 die Lese nicht pünktlich beginnen. Dies gilt gemeinhin als die Geburtsstunde der „Spätlese“, die als besonderes Qualitätsmerkmal deutscher Weine gilt. Ein Ärztekongress und viele Ausflügler ließen den Johannisberg ziemlich überlaufen erscheinen, so dass es einige Zeit dauerte, bis man in der Schlossschänke einen Kaffee und ein Stück Kuchen ergattern konnte. Dennoch fanden manche Teilnehmer unserer Reisegruppe die Zeit zu einem Spaziergang durch die Weinberge und genossen den herrlichen Ausblick über das Rheintal von Bingen bis nach Mainz.

Der Tag endete mit einem warmen Abendessen mit anschließender Weinprobe in der Hochschule Geisenheim – University, die von Prof. Dr. Joachim Schmid gehalten wurde. Er leitet im Forschungszentrum für angewandte Biologie in deren Fachbereich Rebenzüchtung das Arbeitsgebiet Unterlagenzüchtung und stellte nicht nur humorig die Weine vor sondern beantwortete ausführlich die Fragen der Teilnehmer. Vor Ende der Veranstaltung stellte Prof. Dr. Schmid noch zwei Weine vor, die nicht in der Präsentationsliste angegeben waren, um zu demonstrieren, welche Erfolge die Rebzüchtung hervorgebracht hat. Es handelte sich um einen weißen Riesling von 2009 und einen geklonten Müller Thurgau. Beim ersten handelte es sich um einen süßen Damenwein, beim zweiten um einen Mondwein, bei dessen Lese und Verarbeitung die Mondphase, ein besonderer Heiligentag und rechts- bzw. linksdrehende Handhabung eine Rolle spielten. Bei der Verabschiedung überreichte uns der Präsentator einen Geisenheimer Bericht über Geisenheimer Rebsorten und Klone.
Leider hatte es während der Weinprobe angefangen zu regnen, so dass der vorgesehene Rundgang durch Rüdesheim ausfallen musste. Zum Absacker kamen einige Teilnehmer dann noch im Hotel zusammen.

Der dritte Tag war für einen Besuch der Domstadt Mainz vorgesehen. Weil der Busfahrer keine aktuellen Abfahrtszeiten der LKW-Fähre zwischen Rüdesheim und Bingen im Internet finden konnte, wählten wir den Weg über Wiesbaden und erreichten zügig Mainz. Die Innenstadt um den Dom ist Fußgängerzone, in der nur wenige Busse verkehren. Die Möglichkeit, den Gutenbergplatz mit dem Bus zu erreichen, erforderte zwei Stadtumfahrungen, gelang aber schließlich. Obwohl bis zu unserer gebuchten Fahrt mit dem Gutenbergexpress noch reichlich Zeit war, nahmen wir die angebotene Möglichkeit wahr, den bereitstehenden Zug zu besteigen. Allerdings hatte dies den Nachteil, den Besuch der St. Stephanskirche nicht bei einem Zwischenstopp vornehmen zu können, weil der sonntägliche Gottesdienst noch nicht zu Ende war. So setzten wir die Rundfahrt weiter fort und sahen so die neue Synagoge, die evangelische Christus-Kirche, die Peterskirche, das Kurfürstliche Schloss, das Deutschhaus und weitere Bürgerhäuser in der Altstadt. Nach Beendigung der Fahrt war freie Zeit zum Besuch des Domes, des Gutenbergmuseums und der Plätze der Altstadt mit ihren alten und modernen Brunnen vorgesehen. In kleinen Grüppchen machten sich die Teilnehmer auch auf, einen Mittagsimbiss einzunehmen. Fast alle fanden den Weg zur St. Stephanskirche, um sich dort von den Kirchenfenstern im Altarraum und im Ostchor, die Marc Chagall als über 90jähriger entworfen und hergestellt hat, beeindrucken zu lassen. Die übrigen Kirchenfenster sind in einem an die Farbgebung der Chagall Fenster angepassten Blau von Charles Marq aus Reims, der über 28 Jahre mit Chagall zusammengearbeitet hatte, gestaltet worden, so dass das Kircheninnere in ein bläuliches Dämmerlicht getaucht ist. Die Kirche selbst wurde 990 auf Veranlassung des Erzbischofs von Mainz und Erzkanzler des Reiches Williges als Gebetsstätte des Reiches erbaut. Sie gehörte zum Kollegialstift, einer Gemeinschaft von Weltpriestern, die den Auftrag hatten, die heilige Liturgie in den Anliegen des Reiches zu feiern. Im Zweiten Weltkrieg brannte die gotische Kirche, die von 1290 bis 1335 anstelle der romanischen Vorgängerkirche errichtet wurde, bei einem Bombenangriff vollständig aus. Der Größte Kirchenbau neben dem Dom wurde bis in die 60er Jahre wiederaufgebaut. Neben der Kirche ist noch der spätgotische Kreuzgang des Stiftes erhalten, dessen Restaurierung 2009 abgeschlossen wurde. Er ist einer der schönsten Kreuzgänge in Deutschland.

Die Teilnehmer hatten sich auf 16.30 h als Abfahrtszeit verabredet und trafen pünktlich wieder am Gutenbergplatz ein. Über Ingelheim, dessen Reste der Kaiserpfalz von Karl d. G. keiner mehr besichtigen wollte, und den Randbereich von Bingen erreichten wir die Autobahn durch den Hundsrück nach Koblenz und Köln. Bis kurz hinter der südlichen Landesgrenze von Nordrhein-Westfalen verlief die Fahrt ohne Komplikationen. Dann allerdings wurde der Verkehr zäh, was für die nächsten 70 km fast 2 Stunden Fahrtzeit bedeutete. Um 20.00 h erreichten wir wieder den Winzermarkplatz. Die Koffer waren schnell ausgeladen, aber bis die Teilnehmer in der Dunkelheit die Ihrigen gefunden und sich voneinander verabschiedet hatten, verging einige Zeit. Ein Paar war recht schnell verschwunden, weil es abgeholt worden war und pompt hatten es einen fremden Koffer mitgenommen. Auch eine Brille blieb im Bus liegen. Für beides konnte am nächsten Morgen der Besitzer gefunden werden, so dass als Resumeé gezogen werden kann:
Es war wieder eine gelungene Fahrt mit vielen neuen Eindrücken!

Die Bildergallerie (hier klicken !!!) gibt einen kleinen Eindruck von den angefahrenen Zielen.

Hattingen, im Oktober 2013

Claus Gareis