Bremen 2011

Bericht über die Reise 2011 des Kultur- und Bürgervereins

Unter dem Motto „Bremen und Bier“ hatte der Kultur- und Bürgerverein seine Mitglieder eingeladen, vom 16. bis 18. September 2011 in die Hansestadt an der Weser zu reisen. Die Resonanz entsprach nicht den Erwartungen, trotzdem fanden sich am Freitagmorgen bei aufgehender Sonne die Teilnehmer am Winzermarkplatz ein, um die Fahrt pünktlich zu beginnen. Über Blankenstein ging´s zur A 43 bis Münster Süd, dort auf die A 1 bis Bremen-Arsten, von wo es nur noch ein kurzes Stück bis zum Rand der Innenstadt war. Nach kurzweiliger Fahrt mit zwei Stops an angenehmen Raststätten erreichten die 24 Teilnehmer das erste Ziel, das Restaurantschiff „Admiral Nelson“ am Weserkai „Schlachte“. Das Schiff ist in England gebaut worden und fuhr lange Jahre als Fischkutter. Nach umfangreichen Umbau- und Restaurierungsarbeiten in Groningen in Holland, ist es heute ein originalgetreuer Nachbau einer Fregatte, wie sie auch der berühmte englische Admiral Nelson 1805 in der Schlacht von Trafalgar befehligte. Seit 2001 liegt sie in Bremen als Restaurantschiff mit “piratischer“ Atmosphäre vor Anker.

Hier war ein Piratenbankett bestellt worden, das alle mit großem Appetit verspeisten.

Das nächste Ziel war das „Star Inn Hotel Bremen Columbus“, unsere Bleibe für die nächsten zwei Nächte. Das Hotel liegt gegenüber dem Bahnhof. Der Bahnhofsvorplatz ist eine der Verkehrsdrehscheiben Bremens und von daher verhältnismäßig laut. Die gut isolierenden Fenster und die Z.T. dem Verkehr abgewandte Lage der Zimmer ließ uns aber gut schlafen.
Nachdem alle Zimmer bezogen und auch noch ein wenig Zeit gegeben war, die Beine hochzulegen, brachte uns unser Bus zu einer Brauereibesichtigung in das Besucherzentrum der Beck´s- und Haake-Beck-Brauerei. Es liegt am linken Ufer der Weser am Rande das großen Brauereiareals. Die Brauerei wurde 1826 von C.H. Haake gegründet. Sie wuchs schnell zur größten bremischen Brauerei heran und ist heute eine der größten Brauereien Deutschlands. Nach einführenden Filmen über die Firmengeschichte und das Braugewerbe besichtigten wir die Mälzerei, das Sudhaus und die Lagertanks. Die Abfüllerei war aus hygienischen Gründen nicht für Besucher zugänglich.

Nach dem Rundgang gab´s noch eine Bierverkostung, bei der auch unser Biergeschmack getestet wurde.

Den Abend verbrachten wir in der Brauereigaststätte Schüttinger in der Bremer Altstadt. Bei reichlich Bier mundete uns der Brauerschmaus, bestehend aus Krustenbraten mit gegrilltem Rippchen, Gemüse und Serviettenknödel, gut. Fröhlich gelaunt traten einige von uns den Heimweg zu Fuß an und konnten dabei die beleuchtete Altstadt, insbesondere den Marktplatz, bewundern .

Am zweiten Tag erwartet uns im Frühstücksraum des Hotels ein reich gedecktes Buffet, das die Lebensgeister wieder weckte. Pünktlich um 10h begrüßte uns die Stadtführerin in der Lobby. Dem Vorschlag, den Bus zur Stadtführung zu benutzen, weil einige Teilnehmer nicht so gut zu Fuß seien, konnte sie nichts abgewinnen. Das Ziel, die Altstadt sei mit dem Bus nicht zu erreichen und die Sehenswürdigkeiten, die sie uns zeigen und erläutern wolle, erforderten ohnehin nur kurze Wege und ließen Zeit zum Ausruhen. Los ging´s also per pedes zunächst in die Wallanlagen, die seit Mitte des 19. Jh. zu einer beliebten Parkanlage umgestaltet wurden. Von den geschichtlichen Daten blieben haften, dass Karl der Große bereits 787 die Siedlung zum Bischofssitz erhob, der Beitritt zur Hanse 1260 erfolgte, Rathaus und das  Standbild des Rolands bereits kurz nach 1400 errichtet wurden, mit Aufkommen der Dampfschifffahrt die Weser keinen ausreichenden Wasserstand mehr garantieren konnte und es deshalb 1827 zur Gründung Bremerhavens kam, die Stadt bis 1871 eine eigenständige Republik war und dann widerwillig dem deutschen Reich beitrat, zwischen dem bremischen Norddeutschen Lloyd und der hamburgischen HAPAG ein heftiger Konkurrenzkampf um die Auswanderer nach Nordamerika tobte, der erst 1970 durch den Zusammenschluss zur Hapag-Lloyd endgültig beigelegt wurde und heute das Bundesland Bremen aus den beiden Städten Bremen und Bremerhaven besteht und durch den Verlust der Werftindustrie hochverschuldet ist. Im zweiten Weltkrieg wurde Bremen stark zerstört und danach zum größten Teil modern wieder aufgebaut. Im Altstadtbereich bemühte man sich jedoch, das alte Stadtbild originalgetreu wiederherzustellen.

Vorbei an der Mühle am Wall, die bis 1943 in Betrieb war und dem Herdentor erreichten wir die Sögestraße, den Beginn der Fußgängerzone. Die davon rechts abgehende Lloyd-Passage erlaubt das Shoppen im Trockenen.

Nicht weit davon liegt linker Hand der Marktplatz mit dem Rathaus, dem Roland und dem Schütting.

Von dort führte uns der Weg nach kurzem Verweilen im Dom St. Petri ins Schnoorviertel, dem ältesten erhaltenen Wohnbereich in Bremen. Nach dem Krieg wollte man die heruntergekommenen Häuser abreißen und durch zeitgemäße Wohnbauten ersetzen. Der Denkmalschutz konnte sich jedoch durchsetzen. Nach aufwändiger Restaurierung ist das Viertel heute ein  weiteres Juwel der Stadt.

Über die Martini Straße gelangten wir schließlich zur Böttcher Straße, wo die Führung endete. Diese Straße ist nach Ankauf der Häuser durch Ludwig Roselius, dem Erfinder eines Verfahrens zum Entkoffeinieren von Kaffee, in den Jahren 1926 bis 1932 vom Architekten Hoetger in der heutigen Form gestaltet worden. Im Krieg zerstört, ist sie nach den alten Plänen restauriert worden. Sie zählt zu den drei Attraktionen der Bremer Altstadt .

Der Nachmittag stand den Teilnehmern für eigene Erkundungen zur freien Verfügung. Der Verfasser dieses Berichtes besichtigte u. a. das Rathaus mit dem großen Sitzungssaal, der heute für Veranstaltungen und Empfänge genutzt wird.

Als Abendveranstaltung war ein gemeinsames Essen im Traditionslokal „Beck´s in´n Snoor“ geplant. Der Bus brachte uns an den Rand des Schnoorviertels. Bis zum Lokal mussten wir durch den einzigen Regenschauer der ganzen Reise gehen. An langen Tischen nahmen wir das „Käpten´s Dinner“ ein, das aus 4 Gängen bestand und allen hervorragend mundete .

Am dritten Tag war früh aufstehen angesagt. Grund war der Beginn der Hafenrundfahrt in Bremerhaven um 10.00h und die erforderliche Busfahrt dorthin. Unterwegs fing es an zu regnen, aber je näher wir der Nordsee kamen, um so mehr klarte es auf. Am Anleger gab es zunächst Unsicherheit, weil jemand auf einer Tafel gelesen hatte, dass die Hafenrundfahrten sonntags erst um 10.30h beginnen. Das klärte sich aber schnell auf, als das Personal kurz vor 10.00h erschien und die Abfahrt wie vereinbart erfolgte.

Bremerhaven ist, wie schon erwähnt, eine Gründung Bremens. Inzwischen zählt es rund 140.000 Einwohner. Haupterwerbsquelle sind die Häfen, der Tidehafen mit der Kolumbuskaje für die Kreuzfahrtschiffe und das Containerterminal, der Schleusenhafen mit seinen von Ebbe und Flut unabhängigen Hafenbecken und der Fischereihafen. Unsere Rundfahrt führte durch den Schleusenhafen. Dort liegt auch eine der wenigen, in Bremen noch ansässigen Werften, die Lloyds Werft, in der heute meist nur Reparaturarbeiten oder Umbauten an Seeschiffen durchgeführt werden. Im Schwimmdock lag ein großes Frachtschiff, das derzeit zu einem Offshore-Schiff umgebaut wird. Es dient zur Errichtung und Versorgung von Bohrinseln in der Nordsee. Im Trockendock der Marinewerft lag eine Fregatte, die einen neuen Anstrich erhält. Am Ladepier für Pkw-Transporter sahen wir zwei Schiffe, die wie große Blechschachteln aussehen und keinerlei Fenster oder andere Öffnungen an den Seitenwänden der 200 m langen Rümpfe haben. In unbeladenem Zustand ragen sie mehr als 30m über den Wasserspiegel auf. Sie können um die 6.400 Fahrzeuge aufnehmen. Auf den Freiflächen im Hafen für die ankommenden oder zu verschiffenden Fahrzeuge können mehrere 10.000 Autos im Wert von über 2 Mrd. € abgestellt werden. Die kurzweilige Rundfahrt durch die 7 Hafenbecken endete nach einer Stunde.

Der Rest der Zeit bis zur Abfahrt des Busses um 15.30h stand den Teilnehmern zur freien Verfügung. Jeder erhielt eine Eintrittskarte für das Schifffahrtsmuseum, um für etwaige Regengüsse eine trockene Bleibe zu haben. Daneben bestand die Möglichkeit, das Auswandererhaus mit seinen interessanten Einblicken in die Situation der Auswanderer im 19. Jh. oder das Klimahaus, das die weltweite Klimaentwicklung anschaulich darstellt, zu besuchen. Der Verfasser hatte sich für das Schifffahrtsmuseum entschieden .
Die Heimfahrt, die pünktlich angetreten wurde, war in Niedersachsen von heftigen Gewittergüssen begleitet, verlief aber ohne nennenswerte Schwierigkeiten.

Müde, aber voll mit schönen Eindrücken , erreichten wir die Winzermark.

Eine Bildergallerie der gesamten Fotos dieser Reise finden Sie hier
(klicken Sie auf´s Schiff unten !!!!)

Claus Gareis