Elsass 2007

Weinreise ins Elsass

Vom 29.09 bis 02.10.2007 führte der Kultur- und Bürgerverein seine 5. Weinreise ins Elsass durch. Bei strömendem Regen verließen wir die Winzermark und erreichten gegen Mittag Speyer. Dort wurde der Kaiserdom besichtigt.

Der im Jahre 1025 von Kaiser Konrad II. begonnene Dom ist die Grablege der salischen Kaiser und ihrer Gemahlinnen. In der 1906 angelegten neuen Krypta unter dem alten Königschor befinden sich heute die Gräber von 8 Kaisern und Königen sowie deren Gemahlinnen. Die Bischofskirche des Bistums Speyer hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich, die von Zerstörung und Wiederaufbau geprägt ist. Trotz dieser Ereignisse ist der Bau ein hervorragendes Beispiel romanischer Baukunst und gilt heute als das größte romanische Bauwerk der Welt. Nach einer kräftigen Stärkung im Domhof fuhren wir weiter nach Süden und erreichten am späten Nachmittag unser Quartier, das Hotel Bären, in Breisach. Nach dem Abendessen, konnten wir uns über die Sektherstellung in der Privatsektkellerei Geldermann informieren. Die riesigen Lager für die Flaschengärung im Münsterberg waren ein Erlebnis. Wir erfuhren auch, wie die Hefereste aus den Flaschen entfernt werden ohne dass die enthaltene Kohlensäure entweicht.

Bei strahlendem Sonnenschein fuhren wir am 2. Tag nach Colmar. Ein ausgiebiger Stadtrundgang führte uns zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten dieser elsässischen Metropole. Erstmals erwähnt im Jahre 823 als Columbarium bezeichnete dieser Name ein karolingisches Königsgut. Der inzwischen zu einem stattlichen Flecken herangewachsene Siedlung mit zwei Kirchen erhielt 1212 von Kaiser Friedrich II. das Stadtrecht verliehen und wurde 1376 freie Reichsstadt. Zusammen mit 10 weiteren Städten des Elsass war 1354 ein Bündnis mit dem Ziel geschlossen worden, die Rechte und Freiheiten vor allem gegenüber dem Bischof von Straßburg und regionaler Fürsten verteidigen zu können. Als Colmar im 30jährigen Krieg von schwedischen Truppen belagert und eingenommen wurde, stellte sich die Stadt unter den Schutz der französischen Krone. Ludwig XIV. konnte erreichen, dass er 1648 die Vogtei über den Zehnerbund übertragen bekam und eignete sich kurze Zeit später die Städte und die umliegenden Gebiete an. Die Annexion wurde im Frieden von Rijswijk 1697 bestätigt.

Zu den bedeutendsten Baudenkmalen gehört sicher das gotische Münster St. Martin mit seinen herrlichen Glasfenstern und Schnitzereien. In der frühgotischen Dominikanerkirche ist das großartige Werk Martin Schongauers „Maria im Rosenhag“ von 1473 zu bewundern. Aus der Blütezeit im 14. und 15. Jh. sind noch zahlreiche Bürgerhäuser, darunter das Kopfhaus, das Pfisterhaus,  und das alte Kaufhaus, erhalten. Eine Reihe von heimeligen Plätzen lockern das Stadtbild auf. Zu den großen Söhnen der Stadt gehören Auguste Bartoldi, der Schöpfer der Freiheitsstatue von New York und der Karikaturist und Zeichner Jean-Jacques Waltz, genannt „Hansi“, von dem mehrere schöne Aushängeschilder – hier das Schild einer Metzgerei – vorhanden sind. Entlang der Lauch und eines Kanals erstreckt sich das pittoreske „Petit Venise“, früher das Wohnviertel der Fischer und Gerber. Natürlich gehörte auch ein ausgiebiger Besuch des weltberühmten Musée d´Unterlinden zum Programm, in dem sich der Isenheimer Altar von Matthias Grünewald befindet. Dieser Altar wurde zu Beginn des 16. Jh. für das Antoniterkloster in Isenheim geschaffen und gilt als Hauptwerk dieses führenden Künstlers seiner Zeit. 1783 kam es nach Colmar und ist seit 1847 im ehemaligen Dominikanerkloster ausgestellt, das darüber hinaus über Werke von Martin Schongauer und einen herrlichen Kreuzgang verfügt.

Der Zeitplan erlaubte auch einen längeren Schaufensterbummel und das Kaffeetrinken auf einem der vielen hübschen Plätze der Stadt.

Den Abschluss des Tages bildete nach dem Abendessen ein Rundgang durch Breisach mit einem Blick vom Münsterberg auf den Schwarzwald und die Vogesen und ein gemütliches Zusammensein beim Wein.

Die leichten Nebel des nächsten Morgens wurden schnell von der Sonne aufgesogen. In flotter Fahrt ging´s zur Hohkönigsburg. In 755 m Höhe über Schlettstatt gelegen, wurde die Stauferburg 1147 erstmals erwähnt. Sie bot Ihren Besitzern eine vorzügliche Rückzugsmöglichkeit und ist noch heute ein hervorragender Aussichtspunkt auf die Rheinebene. Im 30jährigen Krieg eroberten schwedische Truppen die stark befestigte Anlage uns zerstörten sie. Ihre heutige Form erhielt die Burg durch den Berliner Architekten Bodo Ebhardt, der sie im Auftrag Kaiser Wilhelm II. zwischen 1901 und 1908 wiederaufbaute. Die Stadt Schlettstatt hatte sie dem Kaiser 1899 zum Geschenk gemacht. Heute gehört die Burg als Museum zu den nationalen Monumenten Frankreichs.

Nach einer Führung durch die Burg folgten wir ein kleines Stück der elsässischen Weinstraße über Thannenkirch, an Ribeauvillé vorbei nach Riquewihr, wo in einer gemütlichen Weinkneipe das Mittagessen eingenommen wurde. Danach wurde die malerische Altstadt des unversehrt erhaltenen mittelalterlichen Städtchens erkundet und das eine oder andere Souvenir erstanden.

Die zu einer Fahrt ins Elsass gehörende elsässische Weinprobe wurde uns in der Kellerei Schaller in Mittelwihr kredenzt. Wir probierten 7 verschiedene Gewächse des Hauses, darunter den Riesling, den Muskat und den Gewürztraminer. Beiläufig erfuhren wir, dass der Edelzwicker ein Gemisch aus weniger gutem Riesling und grauem Burgunder ist, die anders nicht vermarktet werden können. Leider wurde von dem berühmten Gougelhopf nur wenig gereicht. Nach fröhlicher Fahrt erreichten wir rechtzeitig zum Abendessen wieder unser Hotel. Den Abend verbrachten wir in fröhlicher Runde auf der Terrasse des Kaiserstühler Hofes.

Der 4. Tag war leider schon wieder der Heimreise gewidmet. Weil Bernd Waldbrecher, unser Busfahrer, noch ein paar Flaschen „Nachtwächter“ aus dem Kaiserstuhl mitnehmen wollte, machten wir kurze Station an der Winzergenossenschaft in Burkheim. Und siehe da, auch mancher Reiseteilnehmer hatt Gefallen an dem von der Sonne verwöhnten Rebensaft gefunden, so dass die Genossenschaft an diesem Morgen einen guten Umsatz machte.

In Schwetzingen war die Mittagsrast vorgesehen. Schon südlich von Karlsruhe fuhren wir durch ein Regengebiet, das sich weiter nördlich noch verstärkte und nördlich von Bruchsal zu einem regelrechten Wolkenbruch ausartete. War da eine Besichtigung des Schlossgartens noch durchführbar? Kurz vor Schwetzingen klarte es auf und so wurde der Rundgang gewagt. Es war ein voller Erfolg zumal wir im Restaurant des Schlossgartens noch ein vorzügliches Mittagsmahl einnehmen konnten. Der Rest der Fahrt verlief ohne besondere Vorkommnisse. Gegen 17.00 h erreichten wir wohlbehalten wieder die wolkenverhangene Winzermark. Vier ereignisreiche Tage bei im Süden strahlendem Sonnenschein lagen hinter uns, angefüllt mit vielen unvergesslichen Eindrücken.

Beitrag von C. Gareis